Multilkulturalität, Interkulturalität und Transkulturalität
oder:
„Aus Vielem etwas Neues!

Unser „globales Dorf“ und die damit verbundenen Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturkreisen sind mit neuen Erlebnissen, Erfahrungen und Herausforderungen verbunden.
Ob die Lebensgefährtin Ihres Bruders togolesische Eltern hat, Ihr neuer Kollege russlanddeutschen Migrationshintergrund oder die Patientin auf Ihrer Station einen türkischen Pass: Begegnungen mit Menschen aus anderen kulturellen Zusammenhängen finden heute tagtäglich statt. Sie machen uns neugierig, bisweilen verstören sie uns und nicht selten werden sie von kulturellen Missverständnissen und daraus entstehenden Konflikten begleitet, die uns rätseln lassen, wie wir mit diesen wahrgenommenen Unterschieden umgehen sollen.

Zu dieser Verunsicherung kommen dann noch Begriffe wie „Multikulti“, „interkultureller Dialog“ und „transkulturelle Kompetenz“, die meist eher verdunkeln als erhellen.

Lassen Sie mich in aller Kürze versuchen, Licht in dieses Dunkel zu bringen:
  • Multikulturalität beschreibt ein Nebeneinander der Kulturen, die unabhängig voneinander leben,
  • Interkulturalität ein Miteinander unterscheidbarer Kulturen, die miteinander in Beziehung treten und
  • Transkulturalität ein Miteinander von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, die sich in ihrer Begegnung und in ihrem Austausch dynamisch und stetig verändern.

Anders ausgedrückt: Multikulturalität und Interkulturalität verstehen und erklären sich aus der Unterscheidbarkeit von Kulturen. Von dieser Unterschiedlichkeit aus sind sie auf der Suche nach Erklärungen und Wegen gemeinsamen Handelns im kulturellen Kontext.

Die Transkulturalität gibt die Prämisse der grundsätzlichen Unterscheidbarkeit von Kulturen auf.
Sie sieht soziale Milieus, individuelle Entwicklungsgeschichten, wirtschaftliche Interessen, politische Aspekte und Standpunkte sowie religiöse Einstellungen, ohne dabei kulturelle Hintergründe zu verdecken oder zu vergessen. Kurz gesagt: Die Transkulturalität stellt das Kulturelle in einen größeren Bezugsrahmen, um der komplexen Realität gerecht zu werden.

Schauen Sie sich um in unserem Land: Sie sehen Menschen mit Migrationshintergrund aus den unterschiedlichsten Ländern, mit unterschiedlichen Migrationsgründen und -erfahrungen, Sozialisationen und persönlichen Biographien. Diese Menschen sind hier seit zwei Monaten oder seit 50 Jahren, sie sind Kontingentflüchtlinge, von Abschiebung bedroht oder Bundestagsabgeordnete, sie sind Analphabeten oder Akademiker, sie haben einen Partner aus der Heimat, leben mit einem Menschen aus einem anderen Land zusammen oder alleine, sie sind gesund, krank oder behindert, sie sind arbeitslos oder beschäftigt als Reinigungskraft oder Hochschulprofessor – wie wir „Deutschen“ auch. Diese Menschen mit Ihren unterschiedlichen Biographien vorwiegend auf Ihre Herkunftskultur zu reduzieren und allein von diesem kulturellen Hintergrund aus Erklärungen Ihres Handelns zu gewinnen - entspricht das unserer komplexen Realität?

Wir sind der Überzeugung, dass sich Menschen und Kulturen, ihre Konzepte, Ideen und Leistungen immer wieder überschneiden, überlagern und vermischen, sich immer wieder neu entwickeln und definieren werden – und das alles vor dem Hintergrund sozialer, politischer, wirtschaftlicher und religiöser Einstellungen, Aspekte und Interessen. In diesem transkulturellen Sinne sehen und verstehen wir das oben gezeigte Hotel Goethe, den Allgäu Döner sowie unseren Bildungsauftrag und Trainingsansatz.

Christian Fischer
Team Fischer & Kollegen